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FASD

 Unsere Schulungs- und Beratungsangebote:

Für Lehrer und Schulen sowie für Fachkräfte und Träger der Kinder-/Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe:
  • Schulungen und Fachtage zu FASD – von der Früherkennung und Frühförderung bis zum Umgang mit FASD-Betroffenen in konkreten Arbeitszusammenhänge
  • Beratende und betreuende Mitarbeit in konkreten Fallbetreuungen, insbesondere auf Basis einer Erziehungsberatung nach § 28 SGB VIII
Für Eltern und Bezugspersonen (leibliche Eltern, Pflege- und Adoptiveltern) sowie für jugendliche und erwachsene Menschen mit FASD-Verdacht oder FASD-Diagnose
  • Kostenlose, konfessionsfreie und trägerunabhängige Beratung zum Krankheitsbild und zur Diagnostik, Alltagsgestaltung, Planung einzelner Lebensabschnitte und von damit verbundenen Übergängen, zu sozialrechtlichen Wegen und Entlastungsmöglichkeiten
  • Fachliche und strukturelle Betreuung von Selbsthilfegruppen und Selbsthilfenetzwerken
 
Darüber hinaus knüpfen wir in der Region Hannover und darüber hinaus Netzwerke zur: 
  • Prävention von und Aufklärung über FASD
  • Organisation von Entlastungs- und Betreuungsangeboten  
  • Organisation sozialrechtlicher Beratungs- und Betreuungsangebote



Ihr Ansprechpartner:

Thomas Haubrich

Telefon: 0177 8689430

Sprechzeiten:
Dienstag und Donnerstag von 10 bis 12 Uhr

oder per Mail: fasd@mittendrin-hannover.de


Thomas Haubrich betreut, zusammen mit seiner Frau, seit 2004 Pflegekinder mit FASD-Verdacht und FASD-Diagnose in mittlerweile anerkannter sonderpädagogischer Vollzeitpflege. Darüber hinaus hat sich Thomas Haubrich als Kommunikationswirt auf das Thema „FASD und Wahrnehmung“ spezialisiert und wurde in 2018 von der FH Münster als FASD-Fachkraft zertifiziert.


Hintergrundinformationen

Die Fetalen Alkohol-Spektrum-Störungen FASD (Fetal Alcohol Spectrum Disorders) sind die wohl am weitesten verbreitete angeborene Behinderung, die in der Öffentlichkeit bisher kaum wahrgenommen wird. Sie entsteht in ihren vielen Erscheinungsformen (Spektrum-Störungen!) durch den Alkoholkonsum von Müttern in der Schwangerschaft – wobei es egal ist, wann oder wieviel Alkohol in dieser Zeit getrunken wird. FASD ist also durch den Verzicht auf Alkohol in der Schwangerschaft eigentlich auch die am leichtesten zu verhindernde Behinderung.

Nach einer gesicherten Studie (2019) des Münchner Instituts für Therapieforschung kommen pro Jahr ca. 1,8 Prozent aller Neugeborenen mit einer Behinderung aus dem breiten FASD-Spektrum zur Welt – für die Region Hannover bedeutet dies, dass jedes Jahr circa 200 Kinder mit FASD geboren werden. Wenn man nun davon ausgeht, dass dieses Problem schon seit den 1960er-Jahren (als der Alkoholkonsum auch von Frauen in Deutschland explodierte) gegeben ist, leiden derzeit allein in der Region Hannover wohl ca. 20.000 Menschen (1,8 % von 1,149 Mio. Einwohnern) an FASD.

Unerkannte Kinder und Jugendliche mit FASD haben häufig die Diagnosen ADHS oder ASS, unerkannte Erwachsene werden oft mit einer Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typs diagnostiziert. Gemeinsam ist allen FASD-Betroffenen, egal welche Ausprägung sie im Spektrum haben oder ob sie schon als FASD-Betroffene diagnostiziert wurden, eine extrem geringe Stresstoleranz, eine sehr hohe Vergesslichkeit („Löcher im Kopf“), eine mangelnde Einsicht in abstrakte Konzepte wie Geld oder Zeit, eine kaum vorhandene Impulskontrolle, „Maulheldentum“ sowie eine starke soziale Beeinflussbarkeit und emotionale Labilität. Das für die Umwelt (z.B. Eltern, Lehrer oder Partner) anstrengende darin ist, dass es kaum möglich ist, mit gängigen pädagogischen oder therapeutischen Maßnahmen darauf kurz- oder mittelfristig Einfluss zu nehmen. FASD-Menschen können zwar lernen und z.B. Traumata sind auch therapierbar – allerdings in viel längeren zeitlichen Dimensionen und mit ganz anderen Anforderungen an Methodik und Umweltgestaltung.

FASD ist seit über 50 Jahren bekannt und wird seitdem auch erforscht. Diese Forschungen haben gezeigt, dass nur ca. 20 Prozent aller FASD-Betroffenen eigenständig in unserer modernen Welt leben können. Die anderen 80 Prozent brauchen eigentlich eine dauerhafte Betreuung, um nicht in die Obdachlosigkeit, Kriminalität oder Psychiatrie abzurutschen – was heute, aufgrund nicht vorhandener Diagnosen, leider immer noch die Regel ist. Auch wenn FASD kein Problem einer speziellen sozialen Schicht ist, so hat Dr. Reinhold Feldmann vom Universitätsklinikum Münster im Jahr 2010 dennoch erhoben, dass ca. 70 Prozent aller Pflegekinder nicht nur von traumatischen Erfahrungen (Bindungsabbrüche etc.), sondern auch von FASD betroffen sind.