[ Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ), 05.02.2010, Seite 16, Photo: Dillenberg ]
Zum Bild: "Die IGS Stöcken will behinderte und nicht behinderte Kinder aufnehmen."

 

Bildbeschreibung für Screenreader: zu sehen ist das Bild des Schulgebäudes.

IGS Stöcken will
Schule für alle werden

Modellprojekt bei Kultusministerium beantragt.

 

Die Integrierte Gesamtschule Stöcken ist auf gutem Wege, eine offene Schule für behinderte und nicht behinderte Kinder zu werden. Unter dem Stichwort Inklusion wollen die Lehrer darauf verzichten, Kindern mit geistigen oder anderen Einschränkungen offiziell den Status eines Förderschülers zuzuweisen. Stattdessen soll durch Beobachtung im Unterricht festgestellt werden, welche Unterstützung und Anregung die einzelnen Schüler aktuell brauchen.
Bisher ist es im niedersächsischen Schulsystem notwendig, behinderte Kinder per Gutachten zu beschreiben. Davon hängt die Anzahl der Förderstunden ab, die einem Schüler mit Lernverzögerungen oder anderen Handicaps in der Integrationsklasse an einer Regelschule zustehen.
Die IGS Stöcken hat deshalb gemeinsam mit zwei Förderschulen beim Kultusministerium ein Modellprojekt 'Inklusive Schule' beantragt.
Im Nordwesten Hannovers gibt es seit 1998 eine Kooperation zwischen Grundschulen und Förderschulen. Mit dem Modellprojekt könnte das gemeinsame Lernen in der fünften Klasse fortgesetzt und zugleich erweitert werden.
Die Wilhelm-Schade-Schule, eine Förderschule für Kinder mit geistiger Entwicklungsstörung, unterrichtet ihre eigenen Grundschüler bereits komplett an drei regulären Grundschulen, wo die Kinder zum Teil mit nicht behinderten Schülern in einer Klasse lernen. Die Förderschule will das auch ihren älteren Schülern ermöglichen. Die Paul-Dohrmann-Schule, eine städtische Förderschule für Lernen, will ebenfalls Schüler und Förderlehrer an die IGS Stöcken schicken.
In ihrem gemeinsamen Konzept beschreiben die drei Schulen die Bedingungen, unter denen sie sich eine inklusive Schule vorstellen können. Die Klassen umfassen bis zu 24 Kinder. Förderschullehrer arbeiten mit den behinderten, aber auch mit anderen Schülern. Ein Sozialpädagoge unterstützt die Lehrer. Die IGS Stöcken will eine gebundene Ganztagsschule werden, damit die Kinder genügend Zeit zum Lernen haben.
Die Stadt will das Projekt offenbar unterstützen. Auch die Region, die Träger der Wilhelm-Schade-Schule ist, steht dem Vorhaben positiv gegenüber. Sie verfolgt längerfristig das Ziel, möglichst viele Förderschüler in normalen Regelschulen unterzubringen. Im Schulausschuss der Region hat die Verwaltung den Modellversuch "Inklusive Schule" gestern in einer Drucksache präsentiert. Zur Abstimmung kam es jedoch noch nicht. Die CDU-Fraktion will sich über das Thema eingehender informieren.
Um das Thema Inklusion wird kaum ein Bildungspolitiker in nächster Zeit herumkommen. Der Begriff bezeichnet den Einschluss aller Kinder in eine Gruppe, in der sie je nach ihren individuellen Bedürfnissen gefördert werden. Die auch in Deutschland seit Anfang 2009 geltende UN-Behindertenkonvention fordert ein System, in dem behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam wohnortnah unterrichtet werden.

 

[ BÄRBEL HILBIG ]

 

 

[ Neue Presse (NP), 05.02.2010, Seite 14 ]

 

Wird IGS Stöcken erste Inklusive Modellschule ?

 

Die IGS Stöcken - erst im laufenden Schuljahr gegründet - will sich im Rahmen eines Modellversuchs zur Inklusiven Schule weiterentwickeln. Ein entsprechender Antrag lag gestern dem Schulausschuss der Region vor. Auf Antrag der CDU wurde er zur Beratung in die Fraktion gezogen.
Inklusion wird derzeit viel diskutiert und ist auch Gegenstand einer von Deutschland unterzeichneten UNKonvention, die jedem Menschen das Recht auf gemeinsamen Unterricht in einer allgemeinbildenden Schule zusichert.
Inklusion geht dabei einen Schritt weiter als Integration, da keine Kinder als Förderschüler gesondert betrachtet werden, sondern der Unterricht für alle Kinder gleichermaßen auf deren individuelle Möglichkeiten abgestellt werden soll.
Praktiziert wird dies derzeit etwa in Kooperationsklassen, in denen Grund- und Förderschullehrer gemeinsam die Unterrichtsstunden gestalten.
So kooperiert die Wilhelm-Schade-Förderschule für geistige Entwicklung mit drei Grundschulen und hat damit ihren gesamten Primarbereich ausgelagert.
Mit einer inklusiven IGS Stöcken könnte dann auch der Sekundarbereich entsprechend versorgt werden.
Auch die Paul-Dohrmann-Schule mit Förderschwerpunkt Lernen will sich an dem Projekt beteiligen. Umbauten sollen im Rahmen der geplanten Sanierung erfolgen.
Die Klassengröße würde auf 24 Schüler begrenzt. In jeder Klasse würden bis zu drei Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf aufgenommen werden. Das Stundenkontingent der Förderlehrer würde pauschal zugewiesen.
Die IGS hat den Modellversuch beim Kultusministerium beantragt. Die Förderschulen haben das Projekt befürwortet. Die Region muss als deren Träger ihr Einvernehmen erklären.

 

[ ANDREAS KRASSELT ]

 

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Presse - 05. Februar 2010

VEREIN FÜR DIE INTEGRATION VON MENSCHEN MIT BEHINDERUNGEN

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