[ Neue Presse (NP), 01.02.2010, Seite 11, Photo: WILDE ]
Der Verein
Individuelle Förderung, gemeinsamer Unterricht und gleiche Chancen für alle Schüler jeglicher Herkunft, egal, ob mit einer Behinderung oder ohne - das
ist der Grundgedanke einer inklusiven Schule.
Der Förderverein 'Eine Schule für alle', eine Initiative von Eltern, des Vereins 'Mittendrin' und der Annastift Leben und Lerneng GmbH,
will in Hannover die landesweit erste inklusive Schule als Modellprojekt errichten.
Über den Stand des Projekts informieren die Mitglieder auf einer Infoveranstaltung am Mittwoch, 3. Februar, ab 19.30 Uhr im Freizeitheim Vahrenwald
(Kleiner Saal).
Die Gründung der Schule, für die der Namensvorschlag Thomas-Quasthoff-Schule nach dem trotz Behinderung weltberühmten Sängers kursiert, soll eine
Initialzündung sein, hoffen die Initiatoren.
Auch die Stadt steht der Idee wohlwollend gegenüber und sieht die Chance, den Entwicklungsprozess zu mehr Integration durch eine Modellschule zu fördern.
Noch hält die Initiative an dem ehrgeizigen Ziel fest, möglichst bereits in diesem
Jahr mit der Arbeit zu beginnen.
Neben der Info-Veranstaltung ist auch eine Podiumsdiskussion am 17. April im Sprengelmuseum geplant.
Zugesagt hat unter anderem der hannoversche Journalist und Künstler Michael Quasthoff, Bruder des Sängers.
[ ANDREAS KRASSELT ]
Grundschule: "Alle Kinder lernen, andere zu akzeptieren".
An der Grundschule Am Lindener Markt ist das Thema Inklusion längst ein alter Hut, und auch das Motto 'Eine Schule für Alle' wird hier seit mindestens
zehn Jahren gepflegt.
Für Schulleiterin Anne Wolters heißt dies: "Alle Kinder aus dem Stadtteil sollen hier zur Schule gehen können." Eigentlich sei ihr Ziel,
Linden zum inklusiven Stadtteil zu machen.
Schon 1992 startete die Grundschule mit einer ersten Integrationsklasse, 2000 kamen dann in Verbindung mit der
Wilhelm-Schade-Schule, einer Förderschule für geistige Entwicklung, die ersten Kooperationsklassen hinzu.
Im Unterschied zu Integrationsklassen kümmern sich in Kooperationsklassen ständig zwei Lehrkräfte um die Kinder, ein Pädagoge der Grundschule und ein
Förderlehrer.
In Integrationsklassen gibt es nur bestimmte Stundenkontingente pro Förderschüler. Um dort auf eine permanente Doppelbetreuung zu kommen, müssten so
viele Förderschüler in diese Klasse gehen, dass das deren Aufnahmemöglichkeiten sprengen würde.
In den Kooperationsklassen gibt es jeweils drei Schüler, deren geistige Entwicklung eingeschränkt ist - neben Schülern mit anderen Lernschwierigkeiten,
wie sie an jeder Grundschule anzutreffen sind, und deren Probleme häufig auch erst im Rahmen des Unterrichts erkannt werden können. Am Lindener Markt
gibt es mittlerweile vier Kooperationsklassen, dazu neun Integrations- und nur drei Regelklassen.
Vom gemeinsamen Unterricht profitieren nach Ansicht von Schulleiterin Wolter alle: "Geistig beeinträchtigte Kinder lernen sogar lesen, und alle
Kinder lernen, andere zu akzeptieren, auch wenn sie ein Handicap haben." Die doppelte Betreuung im Unterricht gebe den Pädagogen Zeit und Möglichkeit,
jedes der Kinder genauer in den Blick zu nehmen, Eigenarten zu erkennen und darauf einzugehen.
[ ANDREAS KRASSELT ]
Zum Bild: "Besuch - sogar US-Botschafter Philip D. Murphy besuchte die IGS Linden, um sich dort
über das Thema Integration zu informieren."

IGS-Linden plant Integrationsklassen.
Auch die IGS Linden, die im vergangenen Jahr mit dem erstmals von der Bertelsmannstiftung verliehenen Jakob-Muth-Preis für inklusive Schulen ausgezeichnet
worden war, will diesen Ansatz weiter ausbauen. Sie hat bei der Landesschulbehörde beantragt, ab nächstes Schuljahr schrittweise - beginnend mit dem fünften
Jahrgang - sämtliche Klassen in Integrationsklassen umzuwidmen. Ziel ist die Anerkennung eines Modellprojekts "Die IGS Linden auf dem Weg zur inklusiven
Schule".
Seit dem Schuljahr 1996/97 wird an der IGS die Integration von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf praktiziert. Unter anderem nimmt sie auch die
Förderschule der Grundschule Am Lindener Markt auf. In jedem neuen fünften Jahrgang werden derzeit zwei Integrationsklassen gebildet, es gab aber auch
Jahrgänge mit höherem Bedarf.
Nach den Vorstellungen des Schulvorstands würden nun zum Schuljahr 2014/15 sämtliche Klassen der Sekundarstufe I (5. bis 9. Klasse) zu Integrationsklassen.
Um den inklusiven Ansatz dieses Modellprojekts nicht zu gefährden, würde dann ein Abitur an der IGS Linden auch wieder erst nach 13 Jahren möglich sein.
[ ANDREAS KRASSELT ]
Presse - 01. Februar 2010
VEREIN FÜR DIE INTEGRATION VON MENSCHEN MIT BEHINDERUNGEN